Unternehmerin Petra Suschke (68) hat vier Jahrzehnte lang mit ihrem Mann in Itzehoe ein Unternehmen für Maschinenbau und Technik geführt. Sie sagt, wo ihrerMeinung nach imHandwerk der Schuh drückt: Trotz einer zurzeit relativ guten Auftragslage haben kleine und mittelständische Betriebe einen schweren Stand in Deutschland. Zu viele Regularien erschweren den Alltag. Eine Entbürokratisierung muss die Handwerksbetriebe entlasten, damit sie die Arbeit leisten können, für die sie mit Leidenschaft und Fachkenntnis stehen. Daneben haben sich die Sozialabgaben dermaßen erhöht, dass Stundensätze erhoben werden müssen, welche zusehends die Kundenschicht reduzieren. Das Handwerk bietet in diversen Branchen eine handwerklich und technisch hochwertige Ausbildung. Wir wollen die Fertigkeiten und das Wissen an junge Leute vermitteln und für diesen Nachwuchs muss es interessant und lohnend sein, um gegebenenfalls später auch einen Handwerksbetrieb zu führen, oder in Verantwortung mitzuarbeiten. Ein wichtiges Thema stellt auch die Betriebsnachfolge dar: Selbst wenn ein engagierter junger Meister einen laufenden Betrieb übernehmen möchte, ist es oft schwierig, eine stabile Anfangsfinanzierung aufzustellen. Hier sollte eine Möglichkeit zur Bereitstellung von Risikokapital geschaffen werden. Es sollte deutlich mehr auch für die Handwerksberufe geworben werden, denn wie sich oftmals zeigt, ist ein Studium nicht immer zielführend. Dies würde dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken. Ungleiche Bezahlung – zwischen Industrie und Handwerk – besonders während der Ausbildungszeit, fördern ebenfalls den Fachkräftemangel in den Handwerksberufen. Die Handwerksmeister arbeiten oft im Kleinbetrieb aktiv mit, obwohl Büroarbeit sich auf dem Schreibtisch stapelt und die Beratung des Kunden vor Ort warten muss – zum Unmut des Kunden! Fachschulungen zum Thema Digitalisierung und KI fehlen für das Handwerk. Selbst Hilfskräfte sind, trotz Mindestlohn,nur schwer für eine vakante Stelle zu begeistern. Muss der Mindestlohn tendenziell weiter erhöht werden? Dies würde sicher auch zu weiter steigenden Verrechnungspreisen führen.
Text: Sönke Rother, Norddeutschen Rundschau, 18. Februar 2025
Foto: Norddeutschen Rundschau


