Rund 120 Unternehmerfrauen des Handwerks aus dem gesamten Ländle trafen sich in Überlingen zu Ihrer jährlichen Landesverbandstagung. Unter der Schirmherrschaft der Arbeitskreise Friedrichshafen (vertreten durch die Vorsitzende (Patricia Herrmann), Ravensburg (Elke Ruoff) und westlicher Bodenseekreis (Margit Stengele) war in herrlicher Umgebung für intensiven Gedankenaustausch und Co2-neutrales Aufladen der eigenen Akkus gesorgt.
Mit Sorgen blickte die Präsidentin Ruth Baumann auf die aktuellen Entwicklungen. Was Generationen erschaffen und weiterentwickelt haben, erfährt aktuell eine Erosion der Wertschätzung und wird „mit Füßen getreten“. Stören und Zerstören ist keine moralische Instanz, sondern mittlerweile ein Spaltpilz in der Gesellschaft. Wer Zukunft retten will, darf künftigen Generationen die eigene Geschichte nicht verwehren. Raubbau an der Natur, Verschwendung von Ressourcen, Lieferketten und endloses Wachstum hatten und haben ihren Preis. Obwohl dies vielen nicht klar war, können der Green Deal und die Transformation der Wirtschaft, mit der Brechstange, nicht die alleinige Antwort sein. Aktuell sind die Vorgaben für viele Gewerke schlicht nicht leistbar und werden daher scheitern. Dies zu benennen ist dringend nötig. Es braucht Maß und Mitte, denn viele Familienbetriebe kämpfen nicht nur um den Arbeitsplatz der Mitarbeiter, sondern auch um das Überleben des Unternehmens. Den Stromverbrauch bei Staubsaugern drosseln, um dann Auto fahren zu können, Waschlappen statt Dusche, Kurse für die Handhabung von Heizkörpern sind kein tragfähiges Konzept für die Zukunft eines Wirtschaftsstandortes. Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden. Wurde in Pandemiezeiten die regionale Versorgung noch als hohes Gut gepriesen, kann es jetzt nicht sein, dass diese einer ideologischen und überhasteten Transformation mit z.B. unkalkulierbaren Energiekosten, geopfert wird. Die steigenden Insolvenzzahlen sprechen eine für sich, die Ausführungen von Ruth Baumann für die Gedanken der anwesenden Unternehmerfrauen.
Es gilt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Der Apell der Präsidentin richtete sich besonders an die Politik, vertreten durch MdL Martin Hahn Bündnis 90/Die Grünen, MdL August Schuler CDU und MdL Klaus Hoher FDP, wie auch an den Sozialbürgermeister der Stadt Friedrichshafen Andreas Köster und den Baubürgermeister der Stadt Überlingen Thomas Kölschbach. Als Vertreter der „männlichen Stimme des Handwerks“ sprach der Ulmer Handwerkskammerpräsident Joachim Krimmer. Ruth Baumann dankte allen für Ihr Kommen und Wertschätzung, denn Handwerk ist Zukunft.
Wie eine zarte Liebesgeschichte zu einem unternehmerischen Erfolgsmodell werden kann, zeigte Nico Voegeli anhand der Familien- und Firmengeschichte von dem Feingebäckhersteller Kambly. Von der handwerklichen Bäckerei zum Industriebetrieb, ohne Kompromisse beim eigenen Qualitätsanspruch, das ist die Unternehmensphilosophie, die auch in der 4. Generation noch gelebt wird.
Prof. Michael Hoyer zeigte, wie man direkt mit Respekt, kommuniziert und Michael Kienzle bewies nicht nur mittelständischen Reaktionsvermögen, sondern konnte auch als „Mister Charisma“ die Zuhörer begeistern und motivieren. Sensibilisiert und motiviert durch beide Redner kann der betriebliche Alltag wieder kommen.
Handwerk ist Kultur, dabei hat jede Generation ihre eigenen Herausforderungen zu „meistern“. Im Zusammenschluss gelingt dies besser und so verwundert es kaum, dass sogar zwei Geburtstage gefeiert werden konnte. Die Unternehmerfrauen brennen Co2-neutral für das Handwerk, denn es ist ein immaterielles Erbe, was tagtäglich gelebt werden muss.